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Richter sind auch nur Menschen:
Der Einfluss von Medien auf Gerichtsverfahren

Zur Studie

Zusammen mit der Universität Mainz haben wir untersucht, wie Medien Strafprozesse be­ein­flus­sen. Insgesamt 580 Richter und Staatsanwälte wurden befragt. An der Befragung mitgewirkt haben elf Bundesländer: Bayern, Baden-Württemberg, Branden­burg, Hessen, Mecklenburg-­Vor­pom­mern, Nieder­sach­sen, Nord­rhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Hol­stein und Thüringen. Ermittelt wurden u.a. die Nutzung der Medienberichte über eigene Verfahren, die wahr­ge­nom­me­nen Fehler bei der Be­richt­er­stat­tung und die emotionalen Re­ak­tio­nen auf mediale Kritik.

Die Studie stand unter der wis­sen­schaft­li­chen Leitung von Prof. Dr. Mathias Kepplinger (Pro­fes­sor für Empirische Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­schung) und CONSILIUM-­Geschäftsführer Martin Wohlrabe.

Prof. Kepplinger
Prof. Kepplinger
Martin Wohlrabe
Martin Wohlrabe

I. Großer Einfluss der Me­di­en auf Richter und Staats­an­wäl­te

Viele Rich­ter und Staats­anwälte be­achten die Bericht­erstattung über ihre Fälle stark. Jeder zwei­te Richter (53 Pro­zent) so­wie Staats­anwalt (62 Prozent) gibt an, sie hätten wäh­rend eines Ver­fahrens, über das Me­dien inten­siv berich­ten, bei Ihrer Be­fragung und sogar bei ihrem Plä­doyer an das Echo der Öff­entlichkeit gedacht.

Aufmerksamkeit für die Berichterstattung über eigene Fälle

II. Motive für die Nut­zung von Me­di­en­bei­trä­gen und Online-­Kom­men­ta­ren

55 Prozent der Be­fragten nutzen Bei­träge oder Kommen­tare, weil sie sich „ein Bild über die öffent­liche Mei­nung“ machen möchten, „Ein­flüsse auf Pro­zessbeteili­gte abschätzen“ wollen (29 Prozent) oder wis­sen möchten „wie verbreitet ex­treme Meinung­en sind“ (25 Prozent). Die Re­aktion auf mediale Krit­ik ist häufig emotional: Auf die Fra­ge, wie sie spon­tan reagierten, sagten die meis­ten, sie hätten „sich ge­ärgert“ (Richter 50 Prozent, Staats­anwälte 65 Prozent) und das Ge­fühl gehabt, sich „nicht richtig weh­ren zu können“ (Richter 45 Prozent, Staatsa­nwälte 46 Prozent).

Einschätzung der Kritik von Richtern und Staatsanwälten

III. Wahrgenommene Grün­de für eine in­ten­si­ve Me­di­en­be­richt­er­stat­tung

Jeweils 60 Prozent der Staats­anwälte meinen, dass Me­dien intensiv über Ver­fahren berichten, wenn „das Opfer/der Täter Mi­grant ist/Migrationshintergrund hat.“ oder auch wenn „das zu er­wartende Straf­maß besond­ers hoch ist.“ Nach Erf­ahrung von 97 Prozent aller Be­fragten berichten die Me­dien intensiv über Straf­prozessen „bei den­en das Opfer/der Tät­er prominent ist.“

IV. Der Einfluss auf den Ver­lauf des Ver­fah­rens und die Pro­zess­be­tei­lig­ten

Einen Ein­fluss auf „den Ab­lauf des gesamten Verfahrens“ nehmen sowohl Richter (10 Prozent) als auch Staats­anwälte (16 Prozent) wahr. Wei­ter erklären 30 Prozent der Rich­ter und 42 Prozent der Staats­anwälte, dass Medien­berichte einen Ein­fluss auf „die Atmosphäre im Gerichts­saal hätten.“

Den Ein­fluss von Online­kommentaren oder Medien­berichten auf Laien wie z.B. Opfer (63 Prozent), die Öffent­lichkeit (87 Prozent) oder auch An­geklagte (48 Pro­zent) hält die über­wiegende Mehr­heit der Be­fragten für „stark“ oder sogar „sehr stark“.

Und jeder fünfte Staats­anwalt (20 Prozent) nimmt einen Ein­fluss von Medien auf das kon­krete Aussage­verhalten von Zeu­gen vor Gericht wahr.

Weiter geben die Be­fragten an, dass „Zeug­en von Medien­berichten ein­geschüchtert wurden.“ (27 Pro­zent der Richter, 41 Pro­zent der Staatsanwälte) und, dass „Me­dien einen Ein­fluss auf das Ur­teil hatten, weil sie das Ver­halten von Opfern, Tätern oder Zeugen ver­änderten.“ (22 Pro­zent Richter, 36 Pro­zent Staatsanwälte).

V. Medienaffinität und Pro­fes­sio­na­li­sie­rung in der Kommunikation

Der Ein­fluss von Medien­berichten lässt die Be­fragten zunehmend han­deln: Jeder vier­te Richter und fast jeder zweite Staats­anwalt bittet mittlerweile die Presse­stellen um aktive Informations­politik bzw. sogar darum Ge­gen­stra­te­gien zu Kam­pagnen von Ver­teidigern zu starten. Immer mehr Rich­ter (24 Pro­zent) bauen dabei selbst In­for­ma­ti­ons­be­zie­hun­gen zu Journal­isten auf und sogar jeder dritte Staats­anwalt (33 Prozent) führt regel­mäßig eigene Presse­gespräche. Diese Ent­wicklung zeigt deutlich, wie sehr heut­zutage um die Deutungs­hoheit im Ge­richts­saal der Öffent­lichkeit ge­kämpft wird.

Kommunikationsstrategie und Informationspolitik von Richtern und Staatsanwälten

Vi. Die umkämpfte Schuldfrage bleibt Richtersache

Eine eben­falls spannende Zahl: Einen un­mittelbaren Ein­fluss auf die Schuld­frage sehen gerade mal 2 Pro­zent aller befragten Rich­ter und Staats­anwälte in unserer Stu­die. Und das, obwohl 33 Proz­ent der Richter und so­gar 48 Prozent der Staats­anwälte meinen, dass „Jour­nalisten das Ur­teil beeinflussen woll­ten“.

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